Plastik, überall Plastik – auch in unseren Getränken

Es gibt kein Entrinnen, Plastik ist überall: in unseren Trinkhalmen, den Etiketten auf unseren Kleidern und in der Verpackung um unsere Schokoriegel. Aber damit nicht genug: Plastikpartikel finden sich in unserer Nahrung, im Trinkwasser und zunehmend auch in unserer Lunge.

Etwa 40% des produzierten Kunststoffes wird für Wegwerfprodukte verwendet, das meiste davon in Form von Verpackung. Von allen neu hergestellten, jemals produzierten Kunststoffen, die sich auf etwa 8,3 Milliarden Tonnen summieren, wurden mehr als 6 Milliarden Tonnen zu Abfall. Nicht nur die Menge, auch die Wirkung ist gigantisch und gleicht dem „Schmetterlingseffekt“, der besagt, dass nicht vorhersehbar ist, wie sich beliebig kleine Änderungen der Anfangsbedingungen eines Systems langfristig auf die Entwicklung des Systems auswirken. Denn Mikroplastik findet seinen Weg in Wasser, Boden sowie Luft und landet nicht zuletzt in den Fischen, die wir verzehren, dem Honig, den wir essen, und dem Wasser, das wir trinken. Inzwischen enthalten 83% des Leitungswassers weltweit Mikroplastik: In den USA sind es sogar 94%. Wissenschaftler rund um den Globus untersuchen und berichten kontinuierlich über mögliche Schäden durch die Verwendung und Abhängigkeit von Kunststoffen. Zudem hat das öffentliche Interesse an diesem Thema in den letzten Jahren enorm zugenommen, nicht zuletzt dank viel beachteter Dokumentationen. Damit wächst der Druck auf Regierungen und Unternehmen, Alternativen und Lösungen zu finden, vor allem für Einweg-Kunststoffe. In Indien beispielsweise gilt ab 2022 ein Verbot für Wegwerf-Plastikprodukte. In Großbritannien haben sich 2018 40 Unternehmen zu einem Kunststoffpakt zusammengeschlossen, dessen Ziel es ist, bis 2025 auf unnötige Einweg-Kunststoffe zu verzichten.

Aber ungeachtet wissenschaftlicher Studien, der öffentlichen Wahrnehmung und unternehmerischer wie staatlicher Initiativen lässt sich nicht bestreiten, dass Kunststoff billig ist. Traditioneller Kunststoff ist leider effizienter als viele Alternativen aus Biokunststoff. Er ist leicht, kostengünstig und eignet sich hervorragend zur Verpackung von Lebensmitteln und anderen Produkten. Biologisch abbaubare und kompostierbare Kunststoffe sind zwar nachhaltiger, dafür aber auch teurer. Und letztlich sind viele Kunden nicht bereit, dafür tiefer in die Tasche zu greifen.

Zudem weisen die Unternehmen darauf hin, dass es keine ausreichenden Kompostieranlagen für biologisch abbaubare Kunststoffe gibt. Viele Firmen, die nachhaltige Kunststoffe verwenden, machen außerdem nur vage Angaben dazu, wie sie zusätzliche Kosten auffangen wollen.

Weil es bei den Alternativen zu Plastik nicht so richtig vorangeht, wächst nun wieder das Interesse am Recycling. Verbraucher und Unternehmen fragen, wie sich die gängige Recycling-Praxis verbessern lässt, um so den Wert von Produkten bis zu ihrem Lebensende zu steigern.

Mit der Suche der Unternehmen nach Lösungen für die Probleme der weltweiten Abhängigkeit von Einweg-Kunststoffen entstehen aber auch neue Risiken und Chancen. Risiken vor allem für die Hersteller von Verpackungskunststoffen und für Öl- und Gasunternehmen. Zudem könnte eine schnelle Abkehr von Plastik unbeabsichtigte Folgen haben. Darunter noch schlimmere Umweltauswirkungen, Greenwashing, wenn z.B. ein Unternehmen falsche Angaben zur Umweltverträglichkeit eines Produkts macht, Schwarzmärkte für Kunststoffe und gesundheitliche Risiken.

Mit der Suche der Unternehmen nach Lösungen für die Probleme der weltweiten Abhängigkeit von Einweg-Kunststoffen entstehen neue Risiken und Chancen.

Chancen eröffnen sich für Hersteller von Biokunststoffen, für Entsorgungs- und Recyclingfirmen sowie für Konsumartikelhersteller. Für den Bioplastikmarkt werden jährliche Wachstumsraten von 30% bis 2030 prognostiziert, verglichen mit durchschnittlich 3%-Wachstum für fossile Kunststoffe. Hinzu kommen möglicherweise spannende Wachstumschancen durch die Entwicklung neuer bahnbrechender Technologien, um die Abhängigkeit von Einwegplastik zu verringern. Interessante Anlagemöglichkeiten könnten sich auch bei Abfallentsorungs- und Recyclingunternehmen bieten, die nach Lösungen suchen, um den Wert von Produkten über ihre gesamte Lebensdauer zu erhöhen.

Diese potenziellen Lösungen stehen zudem im Einklang mit einigen der wichtigsten Prinzipien der UN-Nachhaltigkeitsziele. Dazu gehört die Bewältigung einer Reihe von Herausforderungen wie Klimawandel, Beachtung von Menschenrechten sowie Wachstum und Entwicklung von Gemeinden. Die Suche nach Wegen, Mikroplastik in der Luft, im Wasser und schließlich in unseren Körpern zu reduzieren, steht im Einklang mit den UN-Zielen für Gesundheit und Wohlergehen sowie sauberen Wassers für alle, nachhaltige Konsum- und Produktionsprozesse und Schutz des Lebens unter Wasser und an Land.

Diese Ziele wiederum sind eine Messlatte, an der man messen kann, wie gut ein Unternehmen willens und in der Lage ist, die UN-Nachhaltigkeitsziele umzusetzen. Dieses Rahmenwerk kann dazu beitragen, Impact-Anlagen auch einer breiten Anlegerschicht zugänglich zu machen, und liefert starke Argumente für Lösungen abseits von Einweg-Kunststoff.

Während uns das Plastikproblem auf absehbare Zeit erhalten bleibt, eröffnet es zugleich die Möglichkeit - und Notwendigkeit - zu Innovationen.

Risikohinweis

Der Wert jedes Investments und die Einkünfte daraus können sinken oder steigen und Sie erhalten möglicherweise weniger als den investierten Geldbetrag zurück.